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November 2010

NVA-Führungszug: Erst in der Nacht gehts auf die Straße

Strelln (TZ/nw). Der Transport von Eisenbahnwaggons auf der Straße – das ist selbst für die Profis vom Schwerlastverkehr eine Herausforderung. „Etwas, was man nicht jeden Tag macht“, wie Holger Lehmann von der Spedition Wocken gerne zugibt. Und wenn es sich bei den Waggons auch noch um Bestandteile des ehemaligen NVA-Führungszuges handelt, mit dem zu DDR-Zeiten ranghohe Militärs durch die Republik und in Staaten des Warschauer Pakts reisten, ist das öffentliche Interesse natürlich um so größer.

Gestern Morgen 6.30 Uhr begann im Munitionsdepot Strelln der seit Juli durchgeplante Kraftakt. Drei Tieflader rückten an, ein 400-Tonnen-Kran sowie ein 75-Tonnen-Kran. 25 bis 30 Mitarbeiter verschiedener Firmen aus Leuna-Bitterfeld, Berlin und Wustermark sollen dafür sorgen, dass die historisch wertvollen Frachtstücke bis Freitagmorgen im Kieswerk Sprotta angelangt sind, wo sie wieder aufgegleist und dann auf dem Schienenweg bis ins Bahnbetriebswerk Wittenberg befördert werden. „Die Bundeswehr hat Interesse, dass die Waggons für die Nachwelt erhalten bleiben und überlässt sie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Diese wiederum will sie in das Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt aufnehmen lassen“, erklärte Major Uwe Rommel, der unter anderem für das Depot in Strelln zuständig ist. Der bekannte deutsche Boogie-Woogie- & Blues-Pianist und -Komponist Axel Zwingenberger wolle sich in Abstimmung mit den Denkmalschützern um die Restaurierung kümmern. Der NVA-Führungszug könnte später einmal „rollendes Museum“ werden. In der Nacht von gestern zu heute sowie von Donnerstag zu Freitag sollten jeweils drei Schwerlasttransporter nach Sprotta rollen – im Schritttempo mit etwa 10 bis 15 km/h. Der Bahnübergang zwischen Strelln und Doberschütz hatte sich schon im Vorfeld als neuralgischer Punkt herauskristallisiert. Seit Monaten liefen die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn. Deren Vorgabe: Lediglich in der vierstündigen Betriebspause ab 0.05 Uhr ist das Überqueren der Strecke Cottbus–Leipzig möglich. Die Oberleitung mit 15 000 Volt muss abgeschaltet werden. Dass auch ein Andreaskreuz und verschiedene Verkehrszeichen an den Straßen kurzzeitig weichen müssen, dürfte da nur eine Randnotiz sein.
Der Schwertransport – eine knifflige Angelegenheit. Rund 50 Tonnen wiegt ein einzelner Waggon. Die Spezialkräne müssen mit Gegengewichten versehen werden, damit sie beim Anheben nicht nach vorn kippen. Die Tieflader, die dann auf der Straße unterwegs sind, haben knapp 34 Meter Länge. Major Uwe Rommel erläutert die Hintergründe: „Wegen der Lenk- und Ruhezeiten kann der zweite Transport erst in der Nacht zu Freitag erfolgen. Angereist waren die Teams am Montag, sodass Halteverbotsschilder schon zu Wochenbeginn in Strelln und Doberschütz aufgestellt wurden.“
Die DDR-Führungszüge, einst mobile Befehlsstellen, zählten bis zu 24 Waggons. Nach der Wende gerieten sie buchstäblich aufs Abstellgleis. Ein Teil wurde in Zeithain „abgeparkt“ – auf öffentlich zugänglichem Terrain.

Das lockte Grafitti-Sprayer und Randalierer, also ließ die Bundeswehr sechs Waggons, darunter den Gepäck/Generatorenwagen, den Küchenwagen, den Nachrichtenwagen und den Stabs- und Arbeitswagen, 1998 ins gut bewachte Munitionsdepot nach Strelln befördern. Die Schienenverbindung wurde in den Jahren danach allerdings zurückgebaut.  Erst im Kieswerk Sprotta befindet sich ein nächstgelegenes Seitengleis, um die Waggons wieder auf Spur zu bringen.

Schauen Sie sich den zugehörigen Videobeitrag der Torgauer Zeitung an.

Quelle: Torgauer Zeitung
Redakteur: Nico Wendt

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